Bückeburg von Norden (Ausschnitt), von A. W. Strack, 1825. Leibarzt Dr. Bernhard Christoph Faust, von G. Osterwald, 1836. Rinteln, von M. Merian, 1647. Gräfin Marie zu Schaumburg-Lippe (+1776) mit Hofmohr Alexander (+ 1789).
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Überblick


Die Grafen von Schaumburg, benannt nach der gleichnamigen Burg oberhalb des Wesertals bei Rinteln, betraten im Jahre 1110 die Bühne der Geschichte, als König Lothar von Süpplingenburg dem Edlen Adolf von der Schaumburg die Grafschaft Holstein verlieh. Unter Adolfs Nachfolgern stiegen die Schaumburger an der südlichen Ostsee zu einem der bedeutendsten Geschlechter auf. Die gemeinsame Geschichte des heutigen Landes Schleswig-Holstein und des Landkreises Schaumburg wird symbolhaft in ihrem Aushänge-Schild ausgedrückt: Beide verwenden das Nesselblatt im Wappen.

In den Stammlanden an der mittleren Weser schufen die Schaumburger in Auseinandersetzung mit den Grafen von Roden, den Herzögen von Sachsen und den Bischöfen von Minden ein geschlossenes Territorium, das seine Blütezeit unter dem Grafen Ernst (reg. 1601-1622, Fürst des Reichs seit 1619) erlebte. Er schuf die rechtlichen und verfassungsmäßigen Grundlagen für die nächsten Jahrhunderte, gründete die Universität Rinteln, stattete das Mausoleum in Stadthagen mit den weltberühmten Bronzeplastiken des Adrian de Vries aus und baute die Stadt Bückeburg zur glanzvollen Residenz aus, so dass sie noch heute seine Handschrift trägt. Nach dem Aussterben der Grafen von Holstein-Schaumburg im Mannesstamm im Jahre 1640 wurde die Herrschaft Pinneberg verkauft und die Wesergrafschaft geteilt. Im Osten der Grafschaft wurden die Ämter Lauenau mit Mesmerode und Bokeloh, im Süden die Vogtei Lachem und im Norden der Flecken Wiedensahl von den Herzögen zu Braunschweig und Lüneburg als erledigte Lehen eingezogen. Im übrigen wurde die Grafschaft entsprechend den Aufkünften in zwei Hälften geteilt - nur die Steinkohlengruben blieben in gemeinsamer Verwaltung:

  • Der südliche Teil der Grafschaft Schaumburg mit den Orten Oldendorf, Rinteln, Rodenberg und Sachsenhagen kam unter hessische Verwaltung (Grafschaft Schaumburg hessischen Teils). Die Regierung in Rinteln unterstand bis 1821 in Personalunion direkt dem Landgrafen bzw. ab 1803 Kurfürsten in Kassel, ehe die hessische Grafschaft Schaumburg der Provinz Niederhessen zugeordnet wurde. Mit der preußischen Annexion von 1866 kam der Kreis Rinteln bzw. Kreis Grafschaft Schaumburg an die Provinz Hessen-Nassau, bei der Verwaltungsreform von 1932 an die Provinz Hannover.

  • Der nördliche Teil der Grafschaft Schaumburg mit den Ämtern bzw. Orten Arensburg, Bückeburg, Hagenburg, Stadthagen und Steinhude (Grafschaft Schaumburg lippischen Teils mit Regierungssitz in Bückeburg) entwickelte sich im 18. Jahrhundert zur eigenständigen Reichs-Grafschaft Schaumburg-Lippe. Sie erlebte ihre Blüte in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts unter dem Grafen Wilhelm (reg. 1748-1777), der aus der Residenz einen Musenhof machte, und unter der langjährigen Regierung Georg Wilhelms (reg. 1787 bzw. 1807-1860), der im Jahre 1807 den Fürstentitel annahm. Das Land behielt seine Selbständigkeit auch nach 1918, als aus dem Fürstentum der Freistaat Schaumburg-Lippe wurde, bis zur Gründung des Landes Niedersachsen im Jahre 1946.

Im Zuge der niedersächsischen Verwaltungs- und Gebietsreform wurden die beiden Kreise Grafschaft Schaumburg und Schaumburg-Lippe 1977 zum Landkreis Schaumburg vereinigt und damit in etwa die Grenzen der alten Grafschaft Schaumburg wieder hergestellt: Der als Geburtsort von Wilhelm Busch (1832-1908) bekannte Flecken Wiedensahl wurde dem Landkreis 1974 wieder zugeteilt wie die Hälfte des früheren Amtes Lauenau. Allerdings wurde im Norden ein Teil der Seeprovinz mit dem Steinhuder Meer zugunsten des Landkreises Hannover, im Süden die Gemeinde Hessisch Oldendorf zugunsten des Landkreises Hameln-Pyrmont abgetrennt.


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